Kaiserliche Akademie und Erdaltar
 
Neulich hatte ich die wunderbare Aufgabe, erneut zur Visabehörde marschieren zu dürfen und zu hoffen, mit einem gültigen Visum in der Hand herauszukommen. Hat auch geklappt. Dieses Mal habe ich mir auch weniger große Sorgen gemacht, dass es nicht klappen könnte, da die Beantragung genauso verlief, wie beim ersten Mal und es keine Nachfragen oder Probleme gab. Damit darf ich jetzt bis zum 2. Oktober in China bleiben - obgleich ich schon am 1. Oktober nach Japan fliege. Zudem zieren meinen Reisepass nun 3 chinesische Visumeinträge - für den wahnsinnigen Zeitraum von zwei Monaten. In anderen Ländern ist das dritte aufeinander folgende Visum eher vom Status einer 5-jährigen Arbeitserlaubnis...
 
Wie dem auch sei. Die Kaiserliche Akademie (an die der Konfuzius-Tempel angeschlossen ist, wie ihr euch sicher erinnert) und der Erdaltar befinden sich in derselben Umgebung der Visabehörde, so dass ich mir beides anschaute.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Was Kompromisse angeht, so fällt mir doch der merkwürdige Umgang junger Chinesen mit ihren Handys ein. Die tun nämlich so, als gäbe es nur Sms und keine Telefonfunktion.
Ich will damit sagen, dass man für alles eine Sms schreiben muss. Telefonieren wollen sie aus irgendeinem Grund nicht. Dabei kostet es für sie auch nichts, wenn ich sie anrufe. Aber wisst ihr, wie lange das dauert, ungeübt eine Unterhaltung in 5 Sms abzufassen? Gefühlt 8 Stunden!?? Und das nur um herauszufinden, wo man sich wann trifft? Man, das hat mich besonders am Anfang echt genervt. Und so habe ich sie angerufen. Dann sagen sie: „Moment, ich schaue mal nach und sage dir gleich Bescheid.“ Oder: „Moment, ich denke darüber nach und sage dir gleich Bescheid.“. Und dann schreiben sie eine Sms und man steckt wieder mittendrin, im SMS-Urwald. :/
 
Insbesondere, wenn Missverständnisse auftauchen kann es schonmal eine halbe Stunde dauern, bis man die Sache mit seinen dicken ungeschickten Daumen und Fingern endlich geklärt hat. Hier nur mal ein Auszug aus einer Absprache mit Peipei - da kannten wir uns erst gerade.
 
Es ist Mittag. Für 18h20 sind wir an der Mensa verabredet.
Peipei: „Ich bin zurück. Bis 16h20. :)“
Ich: „Du meinst 18h20, oder nicht?“
Peipei: „Egal. :)“
Ich: „Ist jetzt 18h20 okay oder nicht? Sonst musst du etwas sagen. ;)“
...
...
 
...
 
So ging das dann noch länger weiter. Irgendwann waren wir dann soweit festzuhalten, dass wir uns (wie geplant) um 18h20 an der Mensa treffen. Spitze! :D
Naja und mit Kompromisse eingehen meine ich an dieser Stelle einfach, dass man das akzeptieren muss. Ich kenne die Gründe nicht, aber man telefoniert eben nicht. Daher muss auch ich Sms schreiben - mit meinen lahmen Daumen und einer Garage voll mit Ungeduld im Schlepptau.
 
Bis bald, ihr Lieben. Der nächste Eintrag naht bereits!
Sonntag, 21. September 2008
Ganz oben und hier links seht ihr einige Fotos der Akademie und des Geländes.  In erster Linie verbrachten die Lernenden ihre Zeit mit dem Studium der klassischen Schriften des Konfuzius. Schließlich fanden hier alle drei Jahre die höchsten staatlichen Prüfungen statt. Wer da bestand, musste keine Sorgen mehr für die Zukunft haben und wer zu den Besten gehörte, dem stand quasi jedes Amt offen. Viele chinesische Staatsmänner und hohe Beamte haben ihren Abschluss an der kaiserlichen Akademie gemacht.
Einmal im Jahr kam zudem der Kaiser höchstpersönlich zu Besuch und interpretierte die Schriften gemäß seiner Betrachtungsweise. Hierbei waren aber nicht nur die Studierenden anwesend, sondern auch hohe Beamte und Gelehrte. Auf dem Bild hier unten kann man sehen, wo er saß. Thron, Schreibtisch und Schreibzeug sind noch da.
 
...Wie wäre das wohl, wenn Frau Merkel oder Herr Köhler in die philosophischen Institute des Landes zögen und frei Kant interpretierten...?
Hm, vielleicht interessant, aber nicht unbedingt erstrebenswert.
Der Erdaltar ist gleichsam das Pendant zum Himmelstempel. Hier hielt der Kaiser einmal jährlich eine Zeremonie ab, um auch die Erde bei guter Laune zu halten.
Während in der Anlage des Himmelstempels alles runde Formen hat (denn die einstigen Gelehrten nahmen an, dass das Himmelsgewölbe rund ist), hat in der Anlage des Erdaltars alles quadratische Formen. Schließlich ging man davon aus, dass auch die Erde selbst eine quadratische Scheibe sei.
Leider ist vieles, dass einst zu dieser Anlage gehörte längst verfallen, so dass eigentlich nur noch die Terrasse zur Darbietung der Opfer noch sehenswert ist. Ansonsten zieht die Anlage eher Parkbesucher an, als Touristen zur Besichtigung des Altars als religiöse Stätte.
Der Park ist in der Tat wirklich sehr schön und so wollte ich die Besichtigung ähnlich angehen, wie beim Himmelstempel. Erst einmal durch den Park ganz außen herum laufen und sich dann mittendurch annähern. Leider gestaltete sich das hier sehr sehr schwierig. Das lag ausnahmsweise mal nicht an meinem Orientierungssinn, sondern an der faszinierenden Bekartung der Anlage.
Also: Es gab an allen Eingängen Karten des Geländes, wohl aber nirgendwo war eingezeichnet, wo man gerade ist. Zudem stimmten die Karten nicht. Wie soll man denn damit arbeiten?! Dazu kam, dass mir auch die Touristen und Parkmitarbeiter keine verlässliche Auskunft darüber geben konnten, wo ich gerade bin.
Also habe ich nach einer Stunde, in der ich immer noch nicht den Weg gen Norden finden konnte aufgegeben und mir einfach den Altar angeschaut. Dann bin ich einfach aus dem nächsten Eingang herausgegangen und auf der Straße außerhalb des Geländes zurückgegangen. Da stimmt nämlich wenigstens meine Karte. :)
Natürlich wäre ich lieber durch den Park, als durch die Abgase gewandert - aber Kompromisse muss man eingehen. Auch und gerade in China.